palaver

privatsphäre kennt er scheinbar nicht,
so laut, wie er ins handy spricht.
über unzählige bahnstationen
lässt er alle ungefragt seinem gespräch beiwohnen.
sein verhalten wird abrupt gewendet,
als er sein telefonat beendet.
ab da tippt er fortwährend sehr unsicher und monoton,
gespielt beschäftigt (planlos!) in sein i-phon.

erst redet er laut
damit alles auf ihn schaut
und dann
würde er am liebsten
verschwinden.

mensch

bäume die zittern
menschen die twittern
tiere die jagen
menschen die fragen
sterne die funkeln
auf menschen im dunkeln
züge die fahren
menschen seit jahren
bomben die fallen
auf menschen mit knallen

menschen und menschen und menschen

Toll Gepatscht














Gierig züngelt er am Eis,
Der kleine Naseweis.

Mund und Hände stark verschmiert,
Glotzt er mich schamlos an.
Als er jedoch sein Eis verliert,
Bin ich mit Grinsen dran.

schatten

einen verzerrten schatten,
wirft die sonne in den raum.
ein haus gebaut aus platten,
ein bitterböser traum.

die anonymität des lebens

verteilt auf tausend etagen.
tausend seelen und tausend fragen.

Un·ge·zie·fer

Im Großen und Ganzen
Sind Milben und Wanzen
Ungefährlich.
Aber mal ehrlich:
Mögen muss man sie nicht.

Schon der Gedanke an Diese,
Erzeugt sogleich fiese
Empfindungen,
In unseren Hirnwindungen,
Man spürt förmlich, wie es krabbelt und sticht.

Deshalb, ihr Parasiten,
Ihr Ameisen und Termiten,
Ihr Zecken, Kakerlaken,
Ihr Schaben und Schnaken,
Ihr Asseln und Läuse,
Auch Spinnen und Mäuse:
Besucht mich, wenn's geht, bitte nicht!

this tells you nothing

die konsequenz der transparenz
ist mit stringenz und vehemenz
heiter immer weiter
zu tragen.
sagen
blagen
von heute.
mensch, leute!

udo

ich erzähl euch heute von einem seltsamen kerl,
er kam nicht aus olpe, soest oder verl.
er wohnte in dortmund, direkt unter mir,
sein name ist udo, kein job aber hartz IV.
ob er arbeiten wollte? das kann wohl schon sein,
hinderlich war nur sein 5-kilo-schein.
sein steckenpferd war die wachsamkeit,
zum beobachten war er immer bereit.
er notierte sich alles und tratschte viel rum,
er sah zwar so aus, doch er war nicht so dumm.
kassengestell, flanellhemd und radlerhose,
so stand er am fenster in lustiger pose.
sah sich alles an und kannte jeden,
er hatte auch immer ein thema zum reden.
so behalte ich ihn in erinnerung,
als echten dortmunder nordstadt jung.

die frivole frau schultz

Oma Schultz, Vorname Hilde
War zeitlebens eine sehr Wilde.
Die Dame hat mit 93 Jahren
Sexuell schon viel erfahren.
Nun, seit Beginn ihrer Demenz
Lebt sie in der Seniorenresidenz.
Dort flirtet sie ganz frei heraus
Mit den betagten Männern in diesem Haus,
Macht charmant die Herren Senioren,
Schwer verliebt bis über beide Ohren.
Doch keiner ist so recht ihr Typ,
Weshalb sie bislang auf Abstand blieb.
Als bald sie die Gelüste plagen,
Beschließt sie, eine Tat zu wagen:
Sie schleicht davon mit dem Rollator
Und kauft für sich einen Vibrator.
Seither wenn sie sich nachts verwöhnt,
Hören alle, wie sie stöhnt.
Das Personal denkt: wehes Klagen!
Und mitleidig hört man es sagen:
"Frau Schultz, die Arme, ach herrje,
Altern tut schon ganz schön weh!"

Raum-Zeit-Kontinuum

In kreativen Phasen
Scheint die Zeit zu rasen.
Doch mit eintretender Langeweile
Endet ihre Eile.
Keine Hast,
Die Uhr bleibt fast
Stehen.

aschermittwoch

es taut, der winter scheint vertrieben
die narrenkappe ist abgelegt
von karneval ist nicht mehr viel geblieben
die euphorie wie weggefegt
eben noch schunkeln und bützen
heute: kamelle in pfützen