heimvideo

gebettet auf rosen
will sie nackt für ihn posen
- record & play -

doch dann stören dornen
sie schmerzlich beim pornen
- cut -

vierzeiler, 1.5

im rund umher, da stehen sie
und singen ihre melodie
die angst, die steckt im mieder -
ich komme später wieder

mal-stunde

mal steh ich still auf der stelle
mal renn ich laut durch den wald
mal trifft mich mit wucht eine welle
mal macht sie vorher auch halt

hin und weg

Als Herrmann eines Abends aus seinem Fenster schaute,
Dachte er, dass er seinen Augen kaum traute.
Drüben im Haus Nummer Einhundertzehn
Bekam er etwas wahrlich Appetitliches zu seh'n:
Dort stieg grad die Nachbarin Blum (Marianne)
Vollständig nackt in die dampfende Wanne!
Hell leuchtend ihr Körper im nebligen Raum,
Langsames Sinken in üppigen Schaum.

Herrmann presst die Nase an die Scheibe ran,
Hofft, dass er so mehr sehen kann.
Doch da geht die Tür! Seine Frau kommt schon!
Er schließt hektisch die Gardine, sieht so nicht die Reflexion,
Drüben im Bad, in der Hand von Marianne,
Und dass der Schaum ganz rot wird in der Wanne.

Herrmann sitzt wenig später noch erregt und verwirrt,
Weil ihm im Kopf dieses Bild herumschwirrt,
Mit seiner Frau Elsbeth
beim trauten Abendbrot,

Da ist Marianne
In der Wanne

S
chon tot.

gedanken zwischen bett und haustür

das haar zu lang
der körper zu rund
die haut zu blass
im bauch zuviel hass.

der himmel zu grau
die freie zeit zu kurz
das hemd zu faltig
das leben zu gewaltig.

die augen zu schwer
das meer zu fern
das versteck zu winzig
die liebe zu listig.

palaver

privatsphäre kennt er scheinbar nicht,
so laut, wie er ins handy spricht.
über unzählige bahnstationen
lässt er alle ungefragt seinem gespräch beiwohnen.
sein verhalten wird abrupt gewendet,
als er sein telefonat beendet.
ab da tippt er fortwährend sehr unsicher und monoton,
gespielt beschäftigt (planlos!) in sein i-phon.

erst redet er laut
damit alles auf ihn schaut
und dann
würde er am liebsten
verschwinden.

mensch

bäume die zittern
menschen die twittern
tiere die jagen
menschen die fragen
sterne die funkeln
auf menschen im dunkeln
züge die fahren
menschen seit jahren
bomben die fallen
auf menschen mit knallen

menschen und menschen und menschen

Toll Gepatscht














Gierig züngelt er am Eis,
Der kleine Naseweis.

Mund und Hände stark verschmiert,
Glotzt er mich schamlos an.
Als er jedoch sein Eis verliert,
Bin ich mit Grinsen dran.

schatten

einen verzerrten schatten,
wirft die sonne in den raum.
ein haus gebaut aus platten,
ein bitterböser traum.

die anonymität des lebens

verteilt auf tausend etagen.
tausend seelen und tausend fragen.

Un·ge·zie·fer

Im Großen und Ganzen
Sind Milben und Wanzen
Ungefährlich.
Aber mal ehrlich:
Mögen muss man sie nicht.

Schon der Gedanke an Diese,
Erzeugt sogleich fiese
Empfindungen,
In unseren Hirnwindungen,
Man spürt förmlich, wie es krabbelt und sticht.

Deshalb, ihr Parasiten,
Ihr Ameisen und Termiten,
Ihr Zecken, Kakerlaken,
Ihr Schaben und Schnaken,
Ihr Asseln und Läuse,
Auch Spinnen und Mäuse:
Besucht mich, wenn's geht, bitte nicht!