kvæði

des oktobers frostiger blick
schaut auf die dächer von reykjavik
der himmel ist neblig verhangen
die elfen tragen rot auf den wangen
und warm-umgarnte hände aus strick
auch mäntel und kleider sind wollen
es folgen ihnen blicke von trollen
und jeder noch so geringe atemhauch
erzeugt in der luft vulkanischen rauch

ein loch im sommer

wir befinden uns grad im sommerloch
und keiner schreibt ein wort.
tanja ist im gedanken im urlaub noch
und makko macht lieber sport.
diana bereist im bulli die länder
und makko war in schweden
tanjas kroatien-jet-lag hinterliess augenränder
wer möchte da schon hier reden.

strafstoß

einsam steht er im tor
der gegner nur 11 meter davor
schlachtgesänge dringen an sein ohr
vom tosenden gegnerischen chor
dann schnellt der schütze hervor
schießt
-
abgewehrt!

miss verständnis

mitfühlend blicken
zuhören und nicken
alles verzeihen
das kann sie

doch wenn es in ihr schreit
nach liebe, trost oder aufmerksamkeit
bleibt sie seltsam
verschlossen

heimvideo

gebettet auf rosen
will sie nackt für ihn posen
- record & play -

doch dann stören dornen
sie schmerzlich beim pornen
- cut -

vierzeiler, 1.5

im rund umher, da stehen sie
und singen ihre melodie
die angst, die steckt im mieder -
ich komme später wieder

mal-stunde

mal steh ich still auf der stelle
mal renn ich laut durch den wald
mal trifft mich mit wucht eine welle
mal macht sie vorher auch halt

hin und weg

Als Herrmann eines Abends aus seinem Fenster schaute,
Dachte er, dass er seinen Augen kaum traute.
Drüben im Haus Nummer Einhundertzehn
Bekam er etwas wahrlich Appetitliches zu seh'n:
Dort stieg grad die Nachbarin Blum (Marianne)
Vollständig nackt in die dampfende Wanne!
Hell leuchtend ihr Körper im nebligen Raum,
Langsames Sinken in üppigen Schaum.

Herrmann presst die Nase an die Scheibe ran,
Hofft, dass er so mehr sehen kann.
Doch da geht die Tür! Seine Frau kommt schon!
Er schließt hektisch die Gardine, sieht so nicht die Reflexion,
Drüben im Bad, in der Hand von Marianne,
Und dass der Schaum ganz rot wird in der Wanne.

Herrmann sitzt wenig später noch erregt und verwirrt,
Weil ihm im Kopf dieses Bild herumschwirrt,
Mit seiner Frau Elsbeth
beim trauten Abendbrot,

Da ist Marianne
In der Wanne

S
chon tot.

gedanken zwischen bett und haustür

das haar zu lang
der körper zu rund
die haut zu blass
im bauch zuviel hass.

der himmel zu grau
die freie zeit zu kurz
das hemd zu faltig
das leben zu gewaltig.

die augen zu schwer
das meer zu fern
das versteck zu winzig
die liebe zu listig.

palaver

privatsphäre kennt er scheinbar nicht,
so laut, wie er ins handy spricht.
über unzählige bahnstationen
lässt er alle ungefragt seinem gespräch beiwohnen.
sein verhalten wird abrupt gewendet,
als er sein telefonat beendet.
ab da tippt er fortwährend sehr unsicher und monoton,
gespielt beschäftigt (planlos!) in sein i-phon.

erst redet er laut
damit alles auf ihn schaut
und dann
würde er am liebsten
verschwinden.